Christian Schulz

Wissenschaftlicher Werdegang

 

10/2015 - 09/2016
Stipendiat im Graduiertenkolleg "Materialität und Produktion"
10/2014 - 03/2015
Tutor am Germanistischen Seminar an der Universität Siegen
10/2012 - 03/2015
Studentische Hilfskraft am Germanistischen Seminar an der Universität Siegen
10/2012 - 03/2015

Masterstudium der Medienkultur und Literaturwissenschaft an der Universität Siegen
10/2007 - 09/2012

Bachelorstudium Literatur, Kultur & Medien und Geschichte an der Universität Siegen

Abstract des Dissertationsprojektes

Kulturtechnik Selfie. Ver-Ortung zwischen Selbstkonstitution und Narzissmus
Das Promotionsprojekt widmet sich dem zum Trend gewordenen Alltagsphänomen der Selfie-Fotografie und verortet dieses in einem kulturtheoretischen Rahmen. Das Selfie wirft auf der einen Seite Fragen bzgl. der Selbst-Bildung und Identitätsproduktion von Individuen auf. Auf der anderen Seite spielen aber auch bildtheoretische und medien- bzw. fotohistorische und damit v.a. die Vernetzungskultur (Stichwort Social Media) betreffende Fragen eine zentrale Rolle. Die wissenschaftliche Rezeption dieses Phänomens beginnt gerade erst, doch oszilliert die diskursive Einordnung des Phänomens bisher meist zwischen den beiden Extrempolen "Selbstkonstitution" (Kommunikationsaspekt, Empowering, Gamification etc.) und "Narzissmus". Das Promotionsprojekt möchte beide Positionen aufgreifen und auf ihre wissenschaftliche Legitimation hin prüfen. Unter Berücksichtigung der historischen Verschränkung von Selbstkonstitution und Narzissmus in malerischen und fotografischen Selbstdarstellungspraktiken stellt das Projekt die Hypothese einer zunehmenden Diffusion zwischen beiden Begrifflichkeiten auf, die maßgeblich an die Dynamisierung von medientechnischen und sozioökonomischen Implikationen gekoppelt ist. Selfies erscheinen unter dieser Prämisse als zeitgenössische Form der Subjekt-Produktion und damit Ausdruck einer Selbsttechnik, die sowohl auf Nutzer- als auch wissenschaftlicher Rezeptionsebene Anleitung in Form von "Führung zur Selbstführung" sein und insofern als gouvernemental bezeichnet werden kann. Nicht zuletzt da Subjektivierungen maßgeblich an nicht-menschliche Entitäten, also Materialitäten gekoppelt und insofern immer auch als Quasi-Objektivierungen zu denken sind. Gerade die damit einhergehende Dynamisierung von medientechnischen und sozioökonomischen Faktoren bei der Selbst-Bildung lässt eine neuerliche Unschärfe beider Begrifflichkeiten hervortreten und diese im Sinne einer neuerlichen "Reinigungsarbeit" (Latour) auf Rezeptionsebene auseinanderdividierbar erscheinen. Die Arbeit verfolgt einen polyperspektivischen Ansatz und möchte einerseits mittels einer Verknüpfung von medienhistorischen Makroanalysen (Staffelei, Spiegel, Fotoapparat, Smartphone) mit medienethnographischen Mikroanalysen (teilnehmende Beobachtung auf Social-Media-Plattformen) den visuellen Selbstdarstellungspraktiken und damit Subjektivierungen historisch und in situ nachspüren. Andererseits sollen die sozioökonomischen Aspekte des Selfies, wie entgrenzte Selbstinszenierungen, die nach ökonomischen Prinzipen des Selbstmanagements funktionieren in den Blick genommen und in der Geschichte der Selbsttechniken, wie sie insbesondere Foucault in seinem Spätwerk analysiert hat, verortet werden.

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